Ausbildungspaten gegen Fachkräftemangel

Heinz Weber überreicht Nicole Wind und Horst Lüdtke einen Scheck über 500 Euro für das Projekt Ausbildungspaten.
News vom 09.11.2019
Heinz Weber überreicht Nicole Wind und Horst Lüdtke einen Scheck über 500 Euro für das Projekt Ausbildungspaten.
Heinz Weber überreicht Nicole Wind und Horst Lüdtke
einen Scheck über 500 Euro für das Projekt Ausbildungspaten.

Vor eineinhalb Jahren schossen sich Nicole Wind, Marion Oehmsen und Horst Lüdtke, der Geschäftsführer unseres Netzwerks, zusammen, um mit dem Projekt Ausbildungspaten erneut dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Am 30. Oktober 2019 fand die offizielle Auftaktveranstaltung in der Schule am Ernst-Reuter-Platz statt, bei der Paten, Paten“kinder“, Organisatoren, Unterstützer und die Presse aufeinander trafen und sich austauschten.

„Unser Ziel ist, dass die Jugendlichen in Ausbildung kommen und das erste Jahr schaffen“, erklärte Wind in der Eröffnungsrede. Man habe sich viel Gutes und Kluges aus Köln abgeschaut, wo das Projekt seit 2006 läuft, und es an Bremerhaven und die eigenen Vorstellungen angepasst.

„Es geht darum, die jungen Leute in der Region zu halten und in Arbeit zu vermitteln“, so Lüdtke.

Um das Projekt finanziell zu unterfüttern und Veranstaltungen zu ermöglichen, überreichte Heinz Weber, Bundesvorsitzender des Vereins „Betriebswirte des Handwerks“ einen Scheck über 500 Euro.

„Nicht jeder muss studieren“, stellt er in seiner Rede klar, denn auch das Handwerk biete gute Berufsmöglichkeiten.

 

 

  
 

Bedenkliche Zahlen und Spaß sprechen für eine Patenschaft 

Als Armin Kommnick eine spontane Rede hält, hören auch Michael Porwoll und Michael Frost zu.
Als Armin Kommnick eine spontane Rede hält,
hören auch Michael Porwoll und Michael Frost zu.

In einer spontanen Rede erklärte Ausbildungspate Armin Kommnick die Gründe, warum er eine Patenschaft übernommen hat: „80 Prozent aller Schulabgänger wissen nicht, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Auch meine drei Enkelinnen haben mehr als ein Jahr gebraucht, um ihren Weg zu finden.“

Ein weiteres Problem komme dazu: „Mehr als 30 Prozent brechen ihre Ausbildung ab.“ Der pensionierte Fachleiter KFZ-Technik der Beruflichen Schule für Technik in Bremerhaven fand seine Patenkinder in der 10. Klasse: Kevin Peters (15) und Cem Schüssler (16) wussten bereits früh, dass die KFZ-Mechatronik sie interessiert und freuen sich nun über die Unterstützung, mit der jeder von ihnen bereits einen Praktikumsplatz gefunden hat. „Da kann ich Kontakte knüpfen, Türen öffnen und mit den beiden üben, wie sie da auftreten“, begeistert sich Kommnick und fügt an: „Es macht großen Spaß!“

tl_files/2019/paten_trio.jpgKevin und Chem kommen dank ihres Ausbildungspaten Armin Kommick gut voran.

„Die Jugendlichen sind es wert!“

Ein großes Lob hat Kommnick auch für Kathrin Jacobs, die als Leiterin der Berufsorientierung die Jugendlichen auf den Arbeitsmarkt vorbereitet: „Das kenne ich nicht von anderen Schulen.“ Dass diese Stelle wichtig ist, erkannte bereits vor vielen Jahren der damalige Oberschulrat Michael Porwoll und schuf eine Funktionsstelle für die „Ernst!“, damit jemand ausschließlich damit beschäftigt sein könne, die Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten. „Es fällt schwer, sich für einen Beruf zu entscheiden“, erklärt er und nennt als eine Ursache die ständige Reizüberflutung. „Es ist die Aufgabe der Schule, dass die Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen können, aber darüber hinaus muss noch mehr geschehen und deshalb sei es wichtig, die hart arbeitenden Lehrer und Schulleiter zu unterstützen“, erklärt er und betont: „Ich bin dankbar, dass es das Netzwerk gibt und sich über die Zeit so engagiert.“

Auch Schuldezernent Michael Frost ist begeistert vom Projekt Ausbildungspaten. „Die Schüler dieser Schule brauchen in erster Linie Türöffner in die Berufswelt, denn vieles läuft über Kontakte. Und sie sind's ja wert!“, verdeutlicht Frost. „Die Jugendlichen hier haben die gleichen Potenziale und Fähigkeiten wie die an anderen Schulen.“

Jeder Schüler braucht seinen eigenen Weg

Die Tandems Marion Oehmsen und Eda (links) sowie Irmhild Paetz-Beutler und Sarah arbeiten gut zusammen
Die Tandems Marion Oehmsen und Eda (links) sowie
Irmhild Paetz-Beutler und Sarah arbeiten gut zusammen.

„Ich möchte Feuerwehrfrau werden“, sagt Eda Küçük (16) sicher und hat sich auch schon erkundigt, welche Voraussetzungen sie dafür erfüllen muss. Um eine Patenschaft hat sie sich beworben, weil sie neugierig gewesen sei und außerdem die Hoffnung hat, dass ihre Partin ihr auch helfen kann, ihre Noten zu verbessern. Gemeinsam mit ihrer Patin Marion Oehmsen, Mitbegründerin des Projekts und ehemalige Leiterin der Firmendatenbank bei der Volksbank, schreibt sie Bewerbungen, verbessert ihre Englischkenntnisse und übt, sich in Vorstellungsgesprächen richtig auszudrücken. Sie stellen auch einen „Notfallkoffer“ für einen Plan B zusammen. „Es macht Spaß, in der Klasse und mit Eda zu arbeiten und sich gemeinsam über Erfolge zu freuen“, fasst Oehmsen zusammen. Einen Erfolg hat das Tandem schon erzielt: Eda hat einen Praktikumsplatz beim Wasser- und Schifffahrtsamt. Auch Edas Familie sei zufrieden mit der Zusammenarbeit, berichten die beiden, denn Edas Eltern fehle es an Erfahrungen und Beziehungen, die nun Oehmsen beisteuern kann.

Edas Klassenkameradin Sarah Staschen (15) weiß noch gar nicht, was sie beruflich machen möchte. Ihre eigenen Stärken und Schwächen kenne sie, aber nicht die Bandbreite der Berufe. Deshalb weiß sie nicht, was zu ihr passen könnte. Gemeinsam mit ihrer Patin, der Florist-Meisterin Irmhild Paetz-Beutler, lernt sie nun die verschiedenen Berufe kennen. Paetz-Beutler war bis Mitte 2018 selbstständig und hat selbst ausgebildet. „Es ist bei jedem Schüler anders, was er braucht“, weiß sie, denn sie hat bereits im letzten Jahr mit einer Jugendlichen gearbeitet, die gerade ihren Abschluss machte. „Was kann ich für dich tun? Was möchtest du?“ seien die wichtigen Fragen, um sich auf die Bedürfnisse des Schülers einzustellen.

Paten immer gesucht!

Schulleiterin Nicole Wind ist zufrieden: „Wir hatten uns fünf Tandems als Ziel für den Start gesetzt und haben nun fünfzehn!“ Doch der nächste Jahrgang wartet schon und auch in den höheren Jahrgängen werden noch Paten gebraucht. „Reden Sie überall davon, damit möglichst viele Leute aufmerksam werden und sich melden“, bittet sie. Auch Paten aus Umzu sind willkommen. „Es reicht, Spaß daran zu haben, mit jungen Leuten zu arbeiten“, erklärt sie und fügt an: „Wir haben hier wirklich nette, tolle junge Leute, die einfach nur etwas Unterstützung benötigen.“

Wer an einer Patenschaft interessiert ist, kann sich direkt in der Schule melden:
Nicole Wind: 0471 – 30 94 93 10
nicole.wind@magistrat.bremerhaven.de

 

In der Presse:
Die Nordsee-Zeitung berichtete am 4. November 2019 unter dem Titel „Ausbildungspaten-Projekt ebnet Weg“ über die Auftaktveranstaltung der Ausbildungspaten. Und die Weser-Elbe-Zeitung berichtete am 6. November 2019 unter dem Titel „Ein Beitrag zur Chancengleichheit“ über das Projekt. 

 

Text und von Janina Berger

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