Schüler machen einen Ausflug in die „echte Welt“

Der zwölfte Jahrgang der Waldschule Hagen-Beverstedt bedankt sich für die lehrreiche Erfahrung
Der zwölfte Jahrgang der Waldschule Hagen-Beverstedt bedankt sich für die lehrreiche Erfahrung
News vom 20.10.2018

Schüler machen einen Ausflug in die „echte Welt“

„Im Unterricht sind die Themen sehr theoretisch, im Planspiel konnten wir es vertiefen. Das praktische Arbeiten macht auch mehr Spaß“, sagt Pia. Sie ist eine der 18 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 der Waldschule Hagen-Beverstedt, für die Ende August 2018 ein Wirtschaftsplanspiel bei Lidl-Vertriebs-GmbH in Schwanewede ausgerichtet wurde.

„Wir wollen damit die ökonomische Grundausbildung an Gymnasien unterstützen und eine Möglichkeit zur Berufsorientierung bieten“, sagt Referent Thomas Kühn vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft. „Die Schüler haben sich in drei Aktiengesellschaften aufgeteilt und jeweils die Positionen der Vorstände eingenommen“, erklärt er. Die Anfangssituation ist in allen drei Firmen gleich, doch durch die von den „Vorständen“ getroffenen Führungsentscheidungen entwickeln sich die Firmen rasch unterschiedlich. Im Laufe der Woche gibt es regelmäßig Rückmeldungen, nachdem ein Computerprogramm die getroffenen Entscheidungen ausgewertet hat – für Schüler Leon der spannendste Moment: „Dann konnten wir sehen, ob unsere Entscheidungen gut waren und neue Perspektiven entwickeln.“

Die Finanzierung des Planspiels übernahm der Förderverein der Schule, für die Vermittlung sorgte das Netzwerk Schule,Wirtschaft und Wissenschaft. Um den Schülern Einblick in verschiedene Berufe zu geben, hat jeden Tag ein Gastreferent seinen Beruf erklärt. „Bei den Vorträgen kommt viel mehr rüber, als wenn man sowas nur im Lehrbuch liest“, sagt Pia. 

Die Präsentation als Höhepunkt

Thomas Kühn gestaltete das Planspiel
Thomas Kühn gestaltete das Planspiel

Zum Planspiel gehört auch, dass die Firmen etwas entwickeln und für den Verkauf bewerben. „Die Schüler haben sich einen Tisch ausgesucht, der verschiedene Anforderungen wie eine elektrische Einheit und sinnvolle Zusatzfunktionen erfüllen muss“, erklärt Kühn. „Die Zuschauer übernehmen nun die Rolle einer Einkäufergruppe und beurteilen das Produkt.“. Die Zuschauer – das sind Eltern, Lehrer und Personalreferenten „echter“ Firmen.

Jede der drei Schüler-Firmen hat gedanklich ihren eigenen Tisch entwickelt: Eine Firma setzt auf Familienfreundlichkeit, eine andere auf Nachhaltigkeit und Umwelt und eine möchte Rollstuhlfahrer als ihre Kundengruppe gewinnen. In eleganter Geschäftskleidung präsentieren die Schüler ihre Tische, preisen die Vorzüge an, erklären ihre Verkaufsstrategie und stellen sich anschließend den Fragen aus dem Publikum. In einer Abstimmung wird ermittelt, wer es geschafft hat, seinen Tisch zu verkaufen – es ist die TIC AG, die auf Selbständigkeit und Unterstützung für Rollstuhlfahrer gesetzt hat.

 „Es war viel Arbeit. Jetzt bin ich erleichtert und stolz auf das, was wir etwas erreicht haben“, sagt Pia. „Es war ein ganz anderer Stress als in der Schule.“. Auch Leon ist begeistert: „Es sind ja nicht nur die Einblicke in die Wirtschaft, sondern wir mussten auch eine gemeinsame Kommunikation lernen und Meinungsverschiedenheiten lösen. Es war mal 'echte Welt' statt nur Schule.“

Unternehmertum fördern und finden

Auch Marco Doerenberg, Personalleiter Lidl Bremen, ist zufrieden: „Mit den Räumlichkeiten und Catering geben wir gerne die Grundlage für ein solches Planspiel, da es Charakteristika wie unser Unternehmen aufweist. Praxis statt Theorie – und auch wir sehen uns als Macher.“. Nebenbei sei es natürlich eine gute Gelegenheit, das eigene Unternehmen und die beruflichen Möglichkeiten vorzustellen.

Obwohl weder Pia noch Leon direkt in die Wirtschaft gehen möchten, schätzen sie den Wirtschaftsunterricht und das Planspiel doch sehr. „Als Journalistin wird Wirtschaft ja bei vielen Berichten eine Rolle für mich spielen“, sagt Pia und ist froh über die Grundlage. „Vor dem Planspiel wollte ich in den medizinischen Bereich, jetzt sehe ich den wirtschaftlichen Bereich aber auch als eine Option“, überlegt Leon. Über wirtschaftliche Vorgänge Bescheid zu wissen, erleben beide als Bereicherung. Und sollte es mal in die Selbständigkeit gehen, fühlen sie sich auch gut vorbereitet. 

„Um Schülern dieses Planspiel anzubieten, benötigen wir immer auch Unterstützer: Räume, Finanzierung oder Referenten“, sagt Kühn. Es gibt viele Arten, den Jugendlichen auf ihrem Weg ins Berufsleben zu helfen. Das Netzwerk Schule, Wirtschaft und Wissenschaft vermittelt natürlich gerne.

 

Die Siegerfirma TIC konnte mit ihrem Tisch für Rollstuhlfahrer überzeugen: Julius Novura, Paula Borgwart, Pia Koslowsky, Leon Stolz, Erik Wittmaier, Tjalk Finke

Die Siegerfirma TIC konnte mit ihrem Tisch für Rollstuhlfahrer überzeugen: Julius Novura, Paula Borgwart, Pia Koslowsky, Leon Stolz, Erik Wittmaier, Tjalk Finke

 

Text und Foto von Janina Berger

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